Marie ist jung alleinerziehend mit einem unehrlichen Kind und hat kein eigenes Geld. Sie ist vollständig von Woyzeck abhängig, der selbst kaum über die Runden kommt und sie emotional komplett vernachlässigt. Das ist kein Einzelschicksal. Frauen in unserer Zeit haben schlicht keine andere Wahl. Sie haben kein Recht auf eigenes Eigentum, kein Recht auf Arbeit, keine Absicherung ohne einen Mann. Wer keinen Mann hat ist schutzlos.
Als der Tambourmajor auftaucht, bringt er ihr etwas mit, das sie noch nie hatte: Aufmerksamkeit, ein Paar Ohrringe, das Gefühl, gesehen zu werden. Was zunächst nach Verführung klingt, war aber für Marie ein Ausweg. Vielleicht der einzige, den sie je haben wird.
Danach wird sie von allen verurteilen; Woyzeck, der Hauptmann, die Nachbarinnen. Aber niemand stellt die eigentliche Frage: Was hat die Gesellschaft aus Marie gemacht, bevor der Tambourmajor überhaupt aufgetaucht ist?
Sie wurde nicht schwach geboren. Sie wurde in Schwäche gezwungen und für ihren Ausbruchsversuch bestraft. Selbst über ihren Tod durfte sie nicht wählen. Im Veruch, Marie und allen anderen Frauen gerecht zu werden, stellen wir deswegen folgende Forderungen: